Ob Prinz Charles dem Moschtkrug huldigte?

MGV Bargen und sein blauer Gral machen vor blauem Blut nicht Halt: Ob die rasante Reise durch Welt und Medien nun zu Ende ist?

Von Christiane Barth

Helmstadt-Bargen. Ein “Moschtkrug”, dessen Werdegang auf einer Power-Point-Präsentation erklärt wird? Und eine Konzertreise, die fast in den Armen des Prinzen von Wales mündet? Ob der Männergesangverein Bargen auch die öffentlichkeitswirksame Begegnung seines Humpens mit Charles und Camilla ein klein wenig gesteuert hat? Sie “besichtigten” den größten Biergarten Dublins und sangen dem Bürgermeister der irischen Hauptstadt ein Ständchen. Doch der Reihe nach:

Der “Bargemer Moschtkrug” ist für die 50-köpfige Männertruppe des MGV Eintracht 1881 mehr als ein probates Trinkgefäß – er hat es zum berühmt-berüchtigten Maskottchen gebracht. Erst plumpste der mit GPS-System und Kamera aufgemotzte Trog in den Wollenbach und schlitterte so unter dem Dirigat der Sänger in eine weltumspannende Geschichte: Der “Eintracht-Gral” postete fortan Grüße vom Mont Blanc, von der Nordsee, von Portugal, Regensburg, Budapest, New York oder vom Münchner Hofbräuhaus, sorgte so für reichlich Klickzahlen und immense Aufmerksamkeit für ein etwas angestaubtes Format. Männergesangvereine müssen sich heutzutage etwas einfallen lassen, um nicht von der Zeit überholt zu werden.

MGV-Vorsitzender Steffen Emmerich hat mit dem pfiffigen PR-Gag, der freilich keiner sein soll, und mit einer traditionsverhafteten Institution wie der “Eintracht” eine moderne, rasante und publikumswirksame Fortsetzungsgeschichte präsentiert – schnörkelhaft dekoriert mit Trinkliedern, Popballaden und volkstümlichen Weisen. Dass der Gral des Traditionschors, der mit seinen aus dem Nichts gestampften Sensationshäppchen ein Spiel mit den Medien trieb und sich damit auf die Höhe der Zeit wie an einer Tonleiter empor probte, zum Doppelkonzert Ende April in Bargen wieder heimischen Boden unter dem Gefäß hatte, war natürlich kein Zufall. Die Begegnung mit Prinz Charles dagegen schon.

“Der Prinz ist uns einfach in die Hände gelaufen mitsamt seinem Gefolge”, berichtet Emmerich. “Ein bisschen inszeniert” war dann der Fund des “Moschtkrugs” an der Westküste Irlands natürlich schon. Die Konzertreise als Abschluss einer gelungenen Imagekampagne in mehreren Sprachen führte 36 Sänger zwischen 19 und 82, deren Kehlen nach dem fünften Irlandtag schwer in Mitleidenschaft gezogen waren, zunächst nach Tralee für ein Konzert im Stadtpark, wo ein großes Fest gefeiert wurde. Die Bürgermeisterin der Stadt posierte mit dem Mostkrug, nachdem Prinz Charles die Festeröffnung übernommen hatte. Die “Bargemer” verbrüderten sich in Pubs mit den Irländern, sangen für den Bürgermeister von Dublin “Whiskey in the jar”, testeten irischen Whisky und Bier in der Stammkneipe von “Thin Lizzy” und tauchten ein in das Nachtleben der Hauptstadt. In Killarney passierte es dann: Auf dem Weg zu einer Brauereibesichtigung kreuzte Prinz Charles den Weg der Sänger, die gerade ihr Wiedersehen mit ihrem Moschtkrug feiern wollten. Ob der Thronfolger des Vereinigten Königreiches vom Humpen aus Bargen Notiz nahm, bleibt sein Geheimnis.

Zurück am Flughafen ließen die Eintracht-Mitglieder ihren “Moschtkrug” nicht mehr aus den Augen. Dennoch konnte das Maskottchen auch in der Ryanair-Maschine wenigstens einen kleinen Abstecher machen: ins Cockpit.

Die erschöpften Männer landeten pünktlich zum Anpfiff der Fußball-WM in Frankfurt-Hahn, halten ihren blauen Humpen weiter in Ehren, der ihnen gar die überraschende Begegnung mit dem blauen Blut von Cornwall ermöglichte, und schwelgen in Erinnerungen: “Dass uns Charles zumindest gehuldigt hat, war der absolute Hammer”, bilanziert Emmerich.

 

Die Sänger der “Eintracht” Bargen übten die perfekte Stimmlage vor der Kulisse Irlands: Mit dabei freilich das berühmte Maskottchen des Männergesangvereins, der “Moschtkrug”, nun wieder fest in der Hand des Vorsitzenden Steffen Emmerich.

 

Dem Bürgermeister von Dublin, Mícheál Mac Donncha (Mitte), sangen die “Bargemer” ein Ständchen. Links Dirigent Friedemann Buhl, rechts Steffen Emmerich.

Der “Moschtkrug” bei seinem letzten Abstecher: Ins Cockpit der Ryanair-Maschine.

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